Der Energieausweis für Wohngebäude




Der Energieausweis schafft Transparenz

Etwa ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauches wird in Deutschland für die Raumheizung und Warmwasser aufgewendet. Anders als bei vielen Haushaltsgeräten und Autos ist der Energieverbrauch von Gebäuden für viele Menschen bisher eine wenig transparente Größe.

Bei einem Hauskauf oder Anmietung einer Wohnung ist dies eine Entscheidung für Jahre oder sogar Jahrzehnte. Käufer und Mieter sollten deshalb auch die künftige Belastung durch Heiz- und Warmwasserkosten in ihre Entscheidung miteinbeziehen können. In der Zukunft werden Energieeffiziente Gebäude angesichts der steigenden Energiepreise immer attraktiver – wirklich verlässliche Informationen sind aber vor dem Einzug jedoch nur selten zu bekommen.

Für wesentlich mehr Transparenz auf dem Immobilienmarkt soll daher der Energieausweis sorgen. Er informiert einfach und verlässlich über die Energieeffizienz von verschiedenen Gebäuden und macht die Immobilienangebote bundesweit miteinander vergleichbar. Wer zukünftig eine Wohnung bzw. ein Haus kaufen, mieten oder pachten möchte, bekommt mit dem Energieausweis eine sehr wertvolle Orientierungs- und Entscheidungshilfe und kann sich somit unkompliziert einen Überblick über das bestehende Marktangebot verschaffen.

Für Hauseigentümer, die ihre Immobilie energetisch modernisieren lassen wollen, stellt damit der Energieausweis eine wichtige Erstinformation dar. Auf Grundlage der darin enthaltenen Modernisierungsempfehlungen, können weitere Energieberatungen aufbauen oder Maßnahmen beauftragt werden. Mit positiven Ergebnissen im Energieausweis, können Verkäufer und Vermieter effizienter für ihre Immobilie werben.


Energetische Qualität auf einen Blick

Der Gebäude-Energieausweis bewertet den energetischen Ist-Zustand, erfasst die allgemeinen Gebäudedaten und stellt die Ergebnisse der Bewertung übersichtlich zusammen. Den Gebäude- Energieausweis gibt es in zwei Varianten: als Verbrauchs- oder Bedarfsausweis.



Worüber informiert der Verbrauchsausweis?

Der Verbrauchsausweis gibt den Energieverbrauch der jeweiligen Gebäudenutzer bei der Heizung und Warmwasser der letzten drei Jahren an. Die darin enthaltene Berechnung des sogenannten Energieverbrauchskennwertes erfolgt in diesem Fall auf der jeweiligen Grundlage der Heizkostenabrechnungen.



Was ist ein Bedarfsausweis?

Der Bedarfsausweis weist die entsprechend energetische Qualität eines Gebäudes auf der Basis einer technischen Analyse aus. Für die Berechnung des Energiebedarfs nimmt der Energieausweis-aussteller den baulichen Zustand der beheizten Gebäudehülle (z. B. Wände, Dach, Kellerdecke, Fenster, Türen) und die Qualität der bestehenden Heizungsanlage unter die Lupe.Die relevanten Daten des Gebäudes können auch vom Gebäudeeigentümer selbst erhoben werden. In diesem Fall ist der Aussteller allerdings verpflichtet, die Plausibilität der gemachten Angaben zu überprüfen.



Sind Modernisierungsempfehlungen eine Pflicht?

Modernisierungsempfehlungen geben erste Hinweise darauf, durch welche Sanierungsmaßnahmen der Energiebedarf bzw. -verbrauch des Gebäudes reduziert werden kann. Egal ob Bedarfs- oder Verbrauchsausweis. Das Formblatt „Modernisierungsempfehlungen" darf dabei nicht fehlen! Auf diesen basierenden Empfehlungen für eine Verbesserung der Energieeffizienz darf in der Regel nur bei Neubauten und kürzlich umfassend energetisch sanierten Gebäuden verzichtet werden. Allerdings dienen die Modernisierungsempfehlungen nur der Information. Eine Pflicht zu ihrer Umsetzung besteht somit nicht.



Worüber informiert die Farbskala?

Das eigentliche Herzstück des Energieausweises ist die Farbskala. Sie erläutert auf einen Blick, wie viel Energie ein Gebäude verbraucht und ermöglicht den schnellen Vergleich mit anderen Gebäuden im Bestand. Dessen Farbverlauf reicht von „grün" (energieeffizient) bis "dunkel-rot" (sehr hoher Energiebedarf / Energieverbrauch). Beim einem Bedarfsausweis gibt der obere Pfeil Auskunft über den Endenergiebedarf, der untere über den Primärenergiebedarf, die sogenannte "Gesamtenergieeffizienz" des Gebäudes Auskunft. Beim Verbrauchsausweis zeigt ein Pfeil den Energieverbrauchswert des Gebäudes an.


Quelle: dena/BMVBS



Gut informiert: Termine, Pflichten und Fristen

Ab wann ist der Energieausweis eigentlich Pflicht? Der Energieausweis für Wohngebäude wird ab 1. Juli 2008 stufenweise nach Gebäudeart und dem Baualter verpflichtend. Für Gebäude, die bis Ende 1965 fertig gestellt worden sind, werden die Ausweise ab dem 1. Juli 2008 und für jüngere Wohngebäude ab dem 1. Januar 2009 eingeführt. Bei Neubauten besteht die Ausweispflicht bereits seit 2002. Für jeweilige Nichtwohngebäude wird der Energieausweis ab dem 1. Juli 2009 verpflichtend. Dann gilt auch die Aushangpflicht in Rathäusern, Schulen, und anderen Gebäuden, in denen öffentliche Dienstleistungen angeboten werden.



Welchen Ausweis benötige ich für welches Gebäude?

Gebäudeeigentümer haben grundsätzlich die Wahl zwischen einem bedarfs- und einem verbrauchs-basierten Energieausweis. Eine Verpflichtung für Bedarfsausweise besteht allerdings nur bei Neubauten, sowie ab dem 1. Oktober 2008 bei Bestandsgebäuden mit weniger als fünf Wohnungen, für die der Bauantrag vor dem 1. November 1977 gestellt wurde. Es sei denn, beim Bau selbst oder durch spätere Modernisierung wurde mindestens damals das Wärmeschutzniveau der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977 erreicht.



Wer benötigt einen Energieausweis?

Einen Energieausweis benötigen Eigentümer, die ihr Gebäude neu vermieten, verpachten oder verkaufen wollen. Sie sind verpflichtet, dem potenziellen Käufer bzw. Mieter diesen auf Nachfrage zugänglich zu machen. Bei bereits bestehenden Vertragsverhältnissen muss kein Energieausweis dem Mieter vorgelegt werden. Eigentümer, die ihr Gebäude ausschließlich selbst bewohnen, benötigen somit ebenfalls keinen Energieausweis.



Wie lang ist ein Energieausweis gültig?

Alle Energieausweise haben eine Gültigkeit von zehn Jahren. Sollte das Gebäude nach der Ausstellung eines Energieausweises saniert werden, ist es empfehlenswert, sich einen neuen Ausweis ausstellen zu lassen. Denn eine damit verbundene überarbeitung ist in der Regel günstiger, da in diesem Falle nur wenige Details vom Aussteller geändert werden müssen.



Was darf ein Energieausweis kosten?

Darüber gibt es keine offiziellen Angaben. Die Preise können je nach Gebäude, und Verfügbarkeit von Unterlagen und vor allem je nach Aufwand variieren.



Die Wege zum Energieausweis

Der erste Schritt zum Energieausweis ist die Beauftragung eines Energieausweisaustellers. In einem persönlichen Beratungsgespräch klärt man die Art des Energieausweises, die Vorgehens-weise und die Detailtiefe bei der Datenaufnahme.



Ist eine Vor-Ort-Begehung Pflicht?

Eine Vor-Ort-Begehung des Gebäudes durch den Aussteller ist nicht gesetzlich vorgeschrieben! Unter Umständen aber sehr empfehlenswert. Vor Ort nimmt der Aussteller die Flächen auf, prüft die energetische Qualität der Außenbauteile, der Anlagentechnik (Heizungs- und ggf. Lüftungsanlage, Warmwasserbereitung) und sucht anschließend nach Anhaltspunkte für eine energetische Modernisierung.



Wer darf einen Energieausweis ausstellen?

Die Aussteller von Energieausweisen müssen eine praxisnahe „bauorientierte Ausbildung“ als Eingangsqualifikation absolviert haben. Dazu berechtigt sind z. B. fachkundige Architekten, Ingenieure und qualifizierte Handwerker wie Meister mit einer entsprechenden Zusatzausbildung



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